Zimmerpflanzen: die Phalaenopsis oder Nachtfalter-Orchidee

Eine besondere Zimmerpflanze: die Nachtfalter-Orchidee (Phalaenopsis)

Phalaenopsis (Fal-en-OP-sis), Griechisch für 'Nachtfalter', ist eines der vielen Geschlechter der Orchideenfamilie (Orchidaceae). Diese in der Natur seltene Pflanze wurde um 1700 von Entdeckungsreisenden nach Europa gebracht. Erst viel später, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang es, sie zu kultvieren. Damit wurde sie auch für Gartenfreunde erschwinglich.
Diese Zimmerorchidee gedeiht so gut bei uns, dass es heute außer den mehr als 50 Arten mehr als 100.000 Kulturvarietäten gibt.

Ihr natürlicher Lebensraum befindet sich in den tropischen Regenwäldern von Asien, Neuguinea und Australien. Dort wächst die Pflanze als


fleischige Wurzeln

Epiphyt auf Bäumen. Sie ist kein Parasit, sondern benutzt die Zweige eher als Stütze für ihre fleischigen Wurzeln. Die Schmetterlingsform der Blüten soll auf 'schelmische Weise' Schmetterlinge anziehen, die die Pflanze daraufhin bestäuben.

Aus den breiten, ledrig-grünen Blättern wachsen lange, gebogene Blütenstängel mit bis zu 20 prächtige Blüten in vielen Farben. Unter idealen Bedingungen kann die Pflanze bis zu 3 Monate hintereinander blühen.

PFLEGETIPPS

Temperatur
Phalaenopsis braucht eine nächtliche Mindesttemperatur von 16°C und eine Höchsttemperatur von 32°C. Wir empfehlen eine Tagestemperatur von 20 bis 25°C.

Zwar überlebt die Pflanze Temperaturen von bis zu 6°C, blüht danach jedoch nicht mehr bzw. verliert vorzeitig ihre Blüten. Die Blätter verfärben sich rötlich. Bei anhaltender Kälte sterben sie schließlich ganz ab.

Licht

Die Nachtfalter-Orchidee, die in der Natur in Bäumen wächst, verlangt viel Licht, verträgt aber keine direkte Sonne (vor allem in den Sommermonaten). Ausgenommen ist die frühe Morgensonne hinter einem Vorhang, insgesamt höchstens 10-12% der Sonneneinstrahlung pro Tag. Ein Platz auf der Fensterbank nach Osten ist ideal.

Vergilbende Blätter deuten auf zu viel direktes Sonnenlicht. Bei einem zu dunklen Standort fallen die Knospen vorzeitig ab und die Blätter werden dunkelgrün.

Wasser
Kein Wasser ins Herz der Pflanze geben, denn dies führt zu Fäule und Schimmel. Nur auf das Substrat gießen. Das ideale Wasser ist lauwarm und hat einen pH von 6–7. Am besten ist Regenwasser, denn unser Wasser aus dem Hahn ist zu kalkreich!

Gießen sollte man am besten frühmorgens und nur dann, wenn sich das Topfsubstrat trocken anfühlt. Dabei gilt: Lieber nicht zu viel  gießen (im Zweifelsfall das Gießen besser einmal ausfallen lassen)!
 

Luftfeuchtigkeit
In ihrer natürlichen Umgebung lebt die Phalaenopsis bei 100% Luftfeuchtigkeit. Deshalb hängen die Erfolgschancen bei der Aufzucht und Haltung dieser Orchideen vor allem von der Luftfeuchtigkeit in unseren Häusern ab. Ideale Orte sind deshalb die Küche, das Badezimmer, oder auch die Terrasse. Benebeln Sie die Pflanze regelmäßig und stellen Sie den Topf auf eine breite Schale mit  feuchten Tonkügelchen oder Kies (der Topf darf nicht im Wasser stehen). Auf diese Weise verdampft das Wasser unter der Pflanze und erhöht sich die Luftfeuchtigkeit in der unmittelbaren Umgebung. 
 

Substrat für gutes Wachstum
Die wichtigste Eigenschaft eines Substrates ist es, Feuchtigkeit festzuhalten und doch gut zu entwässern. So können die fleischigen Wurzeln gut atmen und doch Wasser aufnehmen.

Dabei ist eine Mischung aus Baumrinde (Kiefer – See-Kiefer, Pinus maritima), Torf(Sphagnum) und Bims oder Perlit (kann durch Stückchen Steinwolle oder Kapok ersetzt werden) normaler Gartenerde vorzuziehen. Gartenerde kann nämlich bei zu viel Feuchtigkeit  Wurzelfäule verursachen. Derartige Mischungen sind im Handel erhältlich.
 

Düngung
Da sich im Substrat nur wenig Düngestoffe befinden, kann man Phaelenopsis am besten mit dem Gießwasser düngen. Flüssige Pflanzennahrung mit einem Düngemittelgehalt von 20-20-20 speziell für Orchideen ist in Gartenzentren erhältlich. Vor allem zum Ende des Frühlings und zu Anfang des Sommers (Wachstumssaison) regelmäßig gießen, während der Wintermonate oder wenn die Pflanzen ruhen, brauchen sie weniger.

 

Umtopfen
Beim Umtopfen wird die Pflanze am besten in einen Topf aus Steingut gepflanzt, da dieses Material Luft und Wasser gut aufnimmt und durchlässt. Plastiktöpfe dagegen haben diese Eigenschaft zwar nicht, verhindern aber besser das Austrocknen des Substrates. Das Umtopfen ist erforderlich, wenn der Boden verbraucht ist (meist nach ca.2 Jahren). 
 




Winzige Samen neben einer Münze


Früchte von Phalaenopsis

Blüte fördern
Ausgeblühte Pflanzen werden am besten einige Wochen an einen kühleren Ort gebracht (12°C), um damit die Bildung neuer Blüten anzuregen (am besten im Herbst).

Ausgeblühte Blütenstängel werden bis auf 3 Augen oberhalb des Blattes zurückgeschnitten. Aus diesen obersten schlafenden Augen entstehen durch den Schnitt neue Blumenstängel oder die seltenen “Keikis" (Pflanzenkinder)
 

Vermehrung:

  1. Säen: Durch die Befruchtung der Blüten können Samenkapseln entstehen, in denen sich Millionen winziger Samen befinden. Nur wenige spezialisierte Züchter pflanzen die Samen an, um neue Pflanzen zu züchten. So entstehen auch neue Varietäten. Sind die Sämlinge groß genug, werden sie eingetopft. Erst nach 3-4 Jahren beginnen die Pflanzen zu blühen.

     
  2. Klonen: Mit der Meristemkultur in Pflanzenlaboratorien werden mit der Mutterpflanze identische Pflanzen (Klone) gezüchtet. Ausgewachsene Klone werden eingetopft und entwickeln sich in 2-3 Jahren zu blühenden Orchideen. Diese erfolgreiche Methode wird heute am meisten verwendet und ermöglicht günstige Preise für die Pflanzen. 

     
  3. Keikis: Dies sind kleine Pflänzchen, die sich aus schlafenden Augen auf einem ausgeblühten Pflanzenstängel entwickeln. Nachdem sie genug Blätter und Wurzeln entwickelt haben, werden diese Minipflänzchen abgeschnitten und eingetopft. “Keiki” bedeutet auf Hawaiisch "Kindchen", diese nicht-kommerzielle Vermehrungsmethode wird meist von Liebhabern verwendet. 
     

Meristemkultur

Keikis oder Kinderpflänzchen

Was kann schiefgehen?

Insekten:

  • Wolllaus: Sie nistet sich meist unten am Blatt oder im Herzen der Pflanze ein und saugt dort den Saft. Man kann sie mit einem Pflanzenschutzmittel oder biologisch bekämpfen, aber auch einfach mit einer Pinzette sammeln und das Blatt mit einem in Lösungs- oder Mineralöl getränkten Pinsel bestreichen.

 

  • Spint: Deutet auf zu trockene Luft. Pflanze regelmäßig benebeln.
  • Schnecken: Fressen Löcher in die Blätter oder vernichten junge Blütenstängel. Bekämpfung mit Schneckenkörnern.

Krankheiten:

  • Bakterien: Kommen bei schlechtem oder infiziertem Boden und zu viel Feuchtigkeit oder Kälte vor.
  • Viren: Werden über Woll- oder Blattläuse verbreitet, die Pflanze stirbt dann langsam ab.

Physiologische Ursachen:

  • Wurzelfäule: Entsteht durch schlechten oder schlecht drainierten Boden oder zu viel Wasser.
  • Gelbe Blätter: Zu sonniger Standort oder zu wenig Düngung (Stickstoff).
  • Rote Blätter: Meist zu kalter Standort.

WISSENSWERT

  • Eine Orchideenart trägt sogar essbare Früchte: Die Vanilleorchis = Vanilla planifolia (der Vanillestock ist die reife Frucht)

  • Die Orchideen sind mit mehr als 800 Geschlechtern und 20.000 Arten eine der größten Pflanzenfamilien der Welt. Statistisch ist jede zehnte blühende Pflanze auf der Welt eine Orchidee!

  • Orchideen kommen nicht nur in den Tropen, sondern überall auf der Welt vor. Ausnahmen sind nur der Südpol und einige isoliert liegende Inseln.

  • Es entstehen regelmäßig neue Orchideenarten durch Kreuzbestäubung verschiedener Geschlechter, dies ist ein seltenes Phänomen in der Pflanzenwelt.

  • Die Orchidee symbolisiert Weiblichkeit, Zusammenarbeit, Spiritualität, Verbundenheit, Eleganz und Eigenwert.

 

Die Phalaenopsis ist eine einfach zu pflegende, dankbare und preiswerte Topfpflanze. Sie wird in zahlreichen Buketten als Schnittblume verarbeitet, vom Hochzeitsbukett bis zum Kranz am Grab. Diese edle Blume kann allen wichtigen Momenten des Lebens eine zusätzliche Dimension verleihen. Als Zeichen von Verbundenheit und edler Einfachheit ist sie ein Schmuck für jedes Zimmer!

 


#129

Autor: Wilfried Van Hecke

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